Kurz vor dem Jahreswechsel stand es in allen touristischen Zeitschriften und Zeitungen: Noch ein neuer Partner im Luftfahrtbündnis rund um Lufthansa: Die Star Alliance nimmt Air India als neues Mitglied in ihren Verbund auf und sichert sich damit neue Verbindungen innerhalb Indiens. Mit dem Beitritt der beiden Fluggesellschaften Air China und Shanghai Airlines am Mittwoch haben sich bereits 19 Airlines dem Bündnis angeschlossen. Folgen sollen Turkish Airlines und Egypt Air. Während ein Termin für Egypt Air und Air India noch nicht feststeht, soll Turkish Airlines im ersten Halbjahr 2008 beitreten, sagt ein Sprecher der Star Alliance.

Nahezu zeitgleich überraschte dann die Lufthansa mit der Meldung, sie wolle sich bei dem amerikanischen Low-cost-carrier (!) Jet Blue mit 19 % beteiligen, obwohl es in der Star Alliance mit US Airways und United Airlines zwei Partner mit gutem inneramerikanischen Netzen gibt. Dass der Low-cost-carrier über ein „hervorragendes Produkt“ und „gut zum Premium-Anspruch der Lufthansa passe“ kann mich nicht so recht überzeugen. Möglicherweise war es eher eine strategische Maßnahme, um Air Berlin, die ebenfalls in den USA eine Partner-Airline sucht, ein von der Geschäftsidee gut zu Ihr passendes Unternehmen wegzuschnappen!?

Dass sich einmal gebildete Allianz-Systeme vergrößern müssen, um gleich stark wie der Wettbewerber zu sein, liegt auf der Hand. Auch, dass interessante Märkte wie China und Indien besetzt werden müssen. Der Wettlauf um die Größe wirft aber die Frage auf, ob unter diesen Zwängen wirklich immer nur die Partner ausgesucht werden, die auch den hohen „Premium-Anspruch“ der „Kern-Gesellschaften“ erfüllen können.

Ich persönlich habe da einige Bedenken. Denn unter den Partnern aller drei Allianzen gibt es schon die eine oder andere Gesellschaft, die in der „Vor-Allianz-Ära“ für sicherheitsbewusste Reisende nicht die erste Präferenz war. Und hinter vorgehaltener Hand wurde mir dies auch aus Airline-Kreisen bestätigt. Aber laut sagen traut sich das halt keiner. Auch die immer unkritischer werdende Presse nicht. Noch nicht. Erst wenn dann mal was passiert ist, haben das alle ja geahnt oder gewusst …

Nun könnte ein Reisender ja sagen: Allianzen sind mir egal; ich buche ohnehin nur bei dem Luftfahrtunternehmen, dem ich vertraue. Doch so einfach ist das nicht mehr. Viele Strecken der großen europäischen Luftfahrtunternehmen werden ausgedünnt und die Allianz-Partner gebeten, diese Strecken für sie im Code share zu bedienen. Der Passagier kann nicht mehr das Produkt kaufen, das er will, sondern er muss nehmen, was ihm angeboten wird. Wer also z.B. Air France, British Airways oder Lufthansa bucht, hat zwar einen auf eine dieser Gesellschaften lautenden Flugschein in der Hand. Dass er aber bei unterbrochenen Streckenführungen mit dieser auch durchgängig befördert wird und falls nicht, dann wenigstens zu gleichem Sicherheitsniveau, ist leider keineswegs mehr immer sicher.

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