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Am 23. Mai 2009 hat nun “Mein Schiff” seine Jungfernfahrt angetreten, meldeten alle touristischen Fach-Gazetten. Die Freude über den Neuzugang teile ich durchaus. Aber wieso “Jungfernfahrt”? Als solche wird doch – laut Lexikon – nur “die erste Fahrt eines neuen Wasser- oder Landfahrzeuges” bezeichnet, gleich wer der Reeder ist. Es gibt also nur eine Jungfernfahrt eines Schiffes. “Mein Schiff” hat aber schon 1996 als “Galaxy” seine Jungfernfahrt gemacht und fuhr bis März diesen Jahres unter diesem Namen, bevor sie umgebaut und umgetauft wurde. Der Reiserechtler fragt sich – nicht ganz ernst – ob es denn einen Reisemangel darstellt, wenn eine Schiffsreise, die lediglich die erste Fahrt eines nicht mehr ganz neuen Schiffes in einer neuen Reederei darstellt als “Jungfernfahrt” angepriesen wird.
Von den 50 Mio. EUR, die TUI Cruises für die Umrüstung der ungetauften “Jungfer” ausgeben durfte, wurde der größte Teil für den Umbau von Restaurants, Lobby und Bars und 230 neue Balkone verwendet. Für die viele Kabinen blieben da nur kosmetische Änderungen (orangefarbene Duschwände, modernere Waschbecken, neue Haartrockner, neue Teppiche und Flachbildfernseher). “Sonst haben wir wenig verändert“, räumte der TUI Cruises-Chef Richard Vogel öffentlich ein. “Wir haben so manches bewusst gelassen, wie es war.”
Bevor aber die Leser die Stirne runzeln können, erklärt Herr Vogel, ganz Marketing-Mann, dass “eine gewisse Patina durchaus gewollt” sei; man dürfe ruhig sehen, dass dieses Schiff eine Geschichte habe. “Schiffe mit Vergangenheit sind genauso interessant wie Menschen mit Vergangenheit“. So kann man das auch sehen. Der Reiserechtler fragt bloß: Muss man jetzt damit rechnen, dass auch Hotelbetreiber ein in die Jahre gekommenes Hotel mit dem Hinweis auf südländische Patina schönredet?
Aber da gibt es noch mehr Kurioses um “Mein Schiff”. TUI Cruises verspricht nämlich allen Brautpaaren, die am 9.9.2009 vor den Traualtar treten und vom 11.- 20.9.2009 die TUI-Kreuzfahrt “Rund um Westeuropa” antreten, nicht nur einen vergünstigten Hochzeitstarif (999,- EUR statt 1.529,- EUR), sondern noch mehr: Erblickt neun Monate nach dem Ende der Kreuzfahrt ein Baby das Licht der Welt, bekommen die Eltern den Reisepreis voll zurückerstattet, wenn ein Gynäkologe nachweisen kann, dass das Kind während der Kreuzfahrt gezeugt wurde.
Ist es nicht lobenswert, wenn TUI Cruises das ihre tut, um die deutlich zurückgegangenen Geburtenrate in Deutschland wieder anzuheben? Doch wird man durch die Festlegung nur eines Hochzeitstermins und die Beschränkung auf eine bestimmte Kreuzfahrtreise das Ziel nicht wirklich erreichen.